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Final Portrait

Großbritannien 2017
90 Minuten
Regie: Stanley Tucci
Darsteller: Geoffrey Rush, Armie Hammer, Sylvie Testud
FSK: ab 0

Wenn das Bild gerade seiner Vollendung entgegen strebt, beginnt oft der Künstler alles zu ändern und seinem Werk noch einmal eine neue Richtung zu geben (Beispiele, die Dokumentarfilme „Le mystère Picasso“ oder „Gerhard Richter Painting“). Im Grunde könnte sich dieser kreative Prozess ewig fortsetzen, deshalb erscheint die Fertigstellung des Kunstwerks fast wie ein Willkürakt. In einer derartigen Situation findet sich auch der amerikanische Kunstkritiker James Lord in Stanley Tuccis Spielfilm „Final Portrait“ wieder, als er 1964 der Einladung des berühmten Schweizer Bildhauers und Malers Alberto Giacometti zusagt, ihm in dessen Pariser Atelier für ein Bild Modell zu sitzen. Einige wenige Stunden an einem Nachmittag werde das dauern, hat Giacometti fest behauptet. Weit gefehlt. Dass es erforderlich wird, ständig die geplanten Flüge in die Heimat umzubuchen, ahnt der Journalist anfangs nicht. Dies wird zu einem Running Gag im Film, der eine unterhaltsame Einsicht in das chaotische Leben des späten Giacometti bietet, eines Künstlers, der gerne trinkt und lacht, anhand absurdem Witz seine Verachtung für das viele Geld zeigt, das er einnimmt, und der auf taktlose Weise seine Frau seit Jahren mit einer Prostituierten betrügt, die ihm nebenher als Modell große Inspiration gibt.
Dieses Jahr durfte ich bei der Ehrenpreisverleihung an Geoffrey Rush („Shine – Der Weg ins Licht“) auf der Berlinale teilnehmen. Nach der Verleihung wurde FINAL PORTAIT als Weltpremiere gezeigt. Wieder konnte man sich von Rushs Schauspielkunst überzeugen, wie er das Porträt des kettenrauchenden, grantelnden Künstlers angelegt hat, gleichfalls sympathisch, flamboyant und humorig. Aber die anderen haben ihre Arbeit auch gut gemacht: die Kamera, die den genauen, durchdringenden Blick des Künstlers wiedergibt, der selbst kleinste Veränderungen nicht entgehen. Die Regie, die sich in diesem Biopic auf einen kleinen Ausschnitt aus dem Leben Giacomettis beschränkt, und am Ende mehr und intensiver von den Fallgruben und Qualen künstlerischer Arbeit erzählt als es ein Galopp durch alle Lebensabschnitte des Malers je vermocht hätten.

 

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