Jugendbilder im DEFA-Film zwischen Anpassung und Verweigerung

Eine Schüler-Film-Woche vom 14. - 18. Juli 2014 im LUCHS-Kino am Zoo Halle

Eine Veranstaltungsreihe von LUCHS-Kino am ZOO und Friedrich-Wolf-Gesellschaft in Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt und dem Landesinstitut für Schulqualität und Lehrerbildung Sachsen-Anhalt (LISA), gefördert durch Mittel des Bundes von der Gilde Deutscher Filmkunsttheater.

Die Film-Gesprächs-Woche "Jugendbilder im DEFA-Film zwischen Anpassung und Verweigerung" im LUCHS-Kino am Zoo ist ein Angebot an Schüler und Lehrer aus Halle und Umland. Im Vorfeld des 25. Jahr des bürgerbewegten Jahres 1989 in der DDR werden an fünf aufeinanderfolgenden Tagen insgesamt 9 Spielfilme für unterschiedliche Klassenstufen aus der DEFA-Produktion gezeigt, die in der DDR zwischen 1971 und 1989 entstanden sind.

Die gezeigten Filme, die Filmeinführungen und Gespräche sollen ein differenziertes Geschichtsbild von der DDR und dem Leben der Jugendlichen in der DDR vermitteln. Den Schülern werden Hintergründe der Filme deutlich gemacht, wie die damalige politische Situation in der DDR, die Lebenssituation von Jugendlichen und Eingriffe der Zensur. Die Regisseure der Filme wurden Gesprächspartner gewonnen. Im Gespräch mit den Regisseuren wird es um Freiräume und Wirkungen der Filmkunst in der DDR und heute gehen. Dabei werden auch Fragen gestellt, ob es für die damaligen Probleme der Jugendlichen in der DDR in der heutigen Zeit Entsprechungen gibt? Gibt es jetzt für junge Menschen im heutigen Deutschland auch Verhaltensweisen wie Anpassung und Verweigerung.

Anmeldungen, bitte unter Tel.-Nummer 0345-523 86 31

 

 

 

Ab heute erwachsen
Stefans Mutter wird vom Fernsehen bei sich zu Hause interviewt, wie es einer alleinerziehenden Frau, die auch aktiv im Arbeitsprozess steht, so geht. Stefan hat für diese Fragen überhaupt keinen Nerv und gibt nur patzige Antworten, als er darauf antworten soll. Im Park lernt er Cecilia kennen, die von zu Hause ausgezogen ist und nun in Berlin eine Bleibe sucht. Von ihr bekommt er eine Liste mit Adressen, wo man es einmal mit Untermiete versuchen könnte. Stefan arbeitet als Maurerlehrling und hilft den Französischen Dom auf dem Berliner Platz der Akademie mit aufzubauen. Bei seinen Kollegen ist er sehr beliebt und anerkannt. Am Tage seines 18. Geburtstages offenbart er seiner Mutter, dass er umgehend zu Hause ausziehen werde. Hierbei helfen ihm die von Cecilia übergebenen Adressen, denn bei Herrn Graubaum hat er Glück und findet ein möbliertes Zimmer. Herr Graubaum arbeitet in einem Restaurant in der Mitte Berlins als Garderobenkraft und hat den Laden voll im Griff. Auch in seinem sonstigen Leben ist er mit allen Wassern gewaschen. Für ein wenig Geld überzeugt er Stefan davon, die komplette Wohnung in einem ordentlichen Zustand zu halten. In der neuen Umgebung lernt Stefan die Telegrammbotin Christel kennen, in die er sich ein wenig verliebt. Ein Versuch, in der freien mütterlichen Wohnung eine Nacht miteinander zu verbringen misslingt, da Christel ihn gleich fest an sich binden will. Auch erscheint Stefans Mutter früher als erwartet. Diese hat ihren Sohn immer noch nicht aufgegeben. Sehr großen Ärger gab es, da sie ihn bei einem Gaststättenbesuch, mit ihrer Kollegin, als Toilettenaufsicht erwischte. Als Ergebnis musste Stefan die Wohnung bei Herrn Graubaum verlassen. Stefan ist nicht nur auf der Suche nach einer Wohnung, sondern auch zu sich selbst und nach einer neuen Partnerschaft mit seiner Mutter. Gesprächspartner: Gunther Scholz (Regisseur)


Biologie!
Eine Kleinstadt im Norden. Die fünfzehnjährige Oberschülerin Ulla und Winfried lieben sich. An einem Waldbach außerhalb der Stadt verbringen sie ihre erste gemeinsame Nacht. Kurz darauf wird der Bach zum Streitobjekt - nicht nur zwischen ihnen. Bei einer Klassenexkursion zu dem Gewässer, an dem Pflanzen und Tiere bisher ungestört existieren konnten, entdecken die Schüler, daß hier jemand Datschen baut und den Bach für eine Forellenzucht anstaut. Ulla lehnt sich gegen diesen Eingriff im Naturschutzgebiet auf. Doch der da baut, ist Winfrieds Vater, Generaldirektor und einflußreich. Alle scheuen sich gegen den mächtigen Mann aufzutreten, nur Ulla nicht. Am Ende steht sie vor einem Schultribunal und wird relegiert. Gesprächspartner: Jörg Foth (Regisseur)


Insel der Schwäne
Der 14-jährige Stefan Kolbe lebt auf dem Lande. Das Leben dort gefällt ihm. Es hält für ihn viele Abenteuer in der Natur mit seinem Freund Tasso bereit. Doch gegen seinen Willen muss er nach Berlin umziehen, wo seine Familie eine Wohnung in einer trostlosen, im Bau befindlichen Großwohnsiedlung erhalten hat, in der sein Vater als Bauarbeiter arbeitet. Hier lernt er Hubert kennen, einen schüchternen und ängstlichen Jugendlichen. Mit ihm schließt er schnell Freundschaft. Hubert wird von Windjacke erpresst, einem älteren jugendlichen Raufbold, der der Erwachsenenwelt verbal höflich entgegentritt, Jüngere aber grundlos drangsaliert. Auch mit Mädchen kommt Stefan schnell in Kontakt. Die Mitschülerinnen Rita und Anja verlieben sich beide in ihn. Aus seinem ihm eigenen Gerechtigkeitssinn findet Stefan jedoch wenig Zeit für die Mädchen, sondern versucht seinem Freund zu helfen, sich gegen den Widersacher Windjacke zur Wehr zu setzen. Er begleitet Hubert und übernimmt eine Art Beschützerfunktion. Er ermutigt ihn, sich gegen den Raufbold zu wehren. Durch Windjacke bedingte Gefahren werden dabei durch die von Menschen gebaute Umwelt verstärkt: So bergen der Fahrstuhl von Stefans Neubau ebenso wie die gegenüberliegenden Rohbauten Orte des Konflikts und der Auseinandersetzung. Zum anderen versucht Stefan etwas gegen die Trostlosigkeit seiner neuen Wohngegend zu unternehmen. Sein Vater hatte versprochen, den Wünschen der jüngeren Nachbarskinder zu entsprechen und durch die Bauarbeiter einen schönen Spielplatz mit grünen Wiesen und Tunneln anlegen zu lassen. Doch stattdessen wird der Vater wortbrüchig: der durch die Kinder abenteuerlich in Eigeninitiative gebaute provisorische Spielplatz wird von den Bauarbeitern zubetoniert. Das Verhältnis zwischen Vater und Sohn steckt in einer Krise. Am Ende kommt es zur finalen Auseinandersetzung zwischen Windjacke und Stefan. Beim Kampf zwischen den Jugendlichen in einem Rohbau droht Windjacke, Stefan in einen leeren Aufzugsschacht herunter zu stoßen - ein Kampf um Leben und Tod. Doch Stefan kann ausweichen, und so droht nun Windjacke hinab zu stürzen. Stefan kann ihn aber noch in letzter Sekunde retten. Gesprächspartner: Herrmann Zschoche (Regisseur)


Mein lieber Robinson
Peter Gruner ist neunzehn Jahre alt, ein tüchtiger junger Mann, der als Krankenfahrer beim Rettungsamt arbeitet, um sich praktische Erfahrungen für sein geplantes Medizinstudium anzueignen. Deshalb bereitet er sich auch auf der Abendoberschule auf das Abitur vor. Andererseits ist er ganz schön verspielt und verträumt. Da er noch wie auf einer Insel lebt, wird er auch Robinson genannt. Seine Freundin hat ein Kind von ihm bekommen, und nun erscheint es ihm also erstens ziemlich schwierig, seinem Vater beizubringen, dass er Vater und dieser Großvater geworden ist, und zweitens übertreibt er diese Schwierigkeit unbewusst noch, weil er mit seiner neuen Rolle als Papa noch nicht richtig zurechtkommt, und drittens will seine Freundin verständlicherweise endlich wissen, woran sie ist. Robinson lebt immer noch zu Hause und pendelt zwischen Vater und Freundin hin und her. Bis auf seinen Vater wissen alle Bescheid und reden ihm zu, doch recht schnell klaren Tisch zu machen. Vor allen Adam Kowalski (der Kollege vom Krankenwagen) und sein Freund Antenne fragen immer wieder nach. Inzwischen ist der Nachwuchs bereits ein Jahr alt und Karin verlangt endgültig klare Verhältnisse. Robinson greift nun zu einer List, indem er Barbara, der Kollegin und Freundin seines Vaters, seine Geschichte so erzählt, als wären es die Erlebnisse seines Freundes Antenne. Die Art des Erzählens sowie die Angabe der genauen Anschrift der Wohnung der Freundin und deren Kind machte nun Barbara stutzig und sie schildert ihre Vermutungen, dass es sich hierbei um Peters Freundin und Kind handeln könnte, dem Vater Peters. Der kann es natürlich nicht glauben und fährt zur Überprüfung an die angegebene Adresse. Dort trifft er die junge Familie und nach einigen Verwirrungen geht natürlich alles gut aus. Vater Gruner ist stolz darauf, dass er nun Großvater eines Jungen ist, und versöhnt sich mit seinem Sohn. Dieser hat auch erkannt, dass er doch kein Arzt werden will, und beginnt ein Maschinenbaustudium. Gesprächspartner: Roland Gräf (Regisseur)


Mein Vater Alfons
Eigentlich wollte der zehnjährige Ernst eine Fahrradtour mit seinem Papa Alfons machen. Das Vorhaben scheint allerdings ins Wasser zu fallen, als die Mutter den beiden offenbart, dass alle gemeinsam zu einer Goldenen Hochzeit ins Erzgebirge fahren werden. Schließlich kann der traurige Ernst seine Mama zu einem Kompromiss überreden: Er darf mit seinem Vater per Fahrrad zu dem Fest reisen. Die zwei "Männer" ahnen nicht, dass die weite Strecke von Mecklenburg ins Erzgebirge so manch abenteuerliche Überraschung für sie bereit hält. So gilt es unter anderem, eine Fallschirmspringerbraut, die unglücklicherweise in ihrem Kleid in einem Baum gelandet ist, aus ihrer misslichen Lage zu befreien. Das Dumme ist nur, dass der Termin der Goldenen Hochzeitsfeier immer näher rückt, das Erzgebirge aber noch in weiter Ferne liegt. Schließlich aber bekommen Alfons und Ernst unerwartete Hilfe und trudeln auf spektakuläre Weise bei der Feierlichkeit ein. Gesprächspartner: Hans Kratzert (Regisseur)


Ottokar, der Weltverbesserer
Der Fünftklässler Ottokar kann es nicht lassen, sich in alle Angelegenheiten einzumischen. Überall setzt er sich für Gerechtigkeit ein und verteidigt schwächere Schüler, auch ist er sehr hilfsbereit. Nur mit der Wahrheit nimmt er es dabei nicht immer genau. Sein Kampf für das Gute bringt ihm häufig Ärger ein, weil er auch vor Autoritäten nicht zurückschreckt. So übt er Rache am Lehrer Kunz, weil dieser Mädchen bevorzugt, prügelt sich mit Mitschülern wie dem heuchlerischen Pillenheini und bringt gemeinsam mit seinem Freund Sigi einen betrunkenen älteren Schüler nach Hause, sehr zum Missfallen von dessen Mutter. Als der neue Lehrer Burschelmann an die Schule kommt, wird Ottokar erstmals gefördert, denn Burschelmann erkennt, dass es Ottokar trotz seiner oft fragwürdigen Taten stets um das Gute geht. Jetzt soll er sich in den Gruppenrat einbringen, doch Ottokar steckt auch weiterhin seine Nase in die falschen Angelegenheiten. Gesprächspartner: Hans Kratzert (Regisseur)


P.S.
Heimzögling Peter wird mit 18 Jahren ins Leben entlassen. In seiner Baubrigade freundet er sich mit Margit - ebenfalls Heimkind - an. Da ist noch Sabine, die ihn liebt. Sie ist das wohlbehütete Kind eines Lehrerehepaars, hat aus Protest gegen blindes Strebertum das Abitur nicht geschafft. Durch Peters schwankende Neigung im Innersten verletzt, verschweigt Sabine ihm ihre Schwangerschaft, heiratet später, auf Drängen der Eltern, Christoph, einen Studenten "mit Zukunft". Peter verlässt seine Brigade und wird Kraftfahrer. Ein unerlaubter Ausflug mit einem Firmenauto endet für Peter mit Jugendhaft. Bei seiner Bewährungshelferin Margot findet er Wärme und Halt - und Liebe. Als sie von seiner Vaterschaft erfährt, beendet sie das Verhältnis. Peter wird endlich seiner Verantwortung für Sabine und sein Kind gerecht. Gesprächspartner: Roland Gräf (Regisseur)


Sieben Sommersprossen
Karoline und Robert, beide sehr jung, nach wie vor Schüler, kannten sich bereits als Kinder, weil sie im gleichen Haus lebten. Sie verlieben sich. Erschwert wird ihr Beisammensein durch den planmäßigen Tagesablauf im Ferienlager. Aber auch den anderen jungen Leuten mißfällt das ausdauernde Beieinander von Robi und Karoline. Auf diese Weise kommt es schnell zu einigen Intrigen und Eifesüchteleien. Aber auch einige Lehrer sehen nicht wohlwollend auf das junge Paar. Als der selber heftig verliebte Lehrstudent den älteren Gruppen vorschlägt, für das Abschlussfest "Romeo und Julia" einzustudieren, steht für die Lagerleiterin die Moral im Ferienlager auf dem Spiel. Einer der erfolgreichsten DEFA-Filme überhaupt beschreibt sehr anschaulich die Ängste und Träume verliebter Heranwachsender in den Zwängen der Gesellschaft der damaligen Zeit.


Vernehmung der Zeugen
Der Jugendliche Maximilian ersticht den gleichaltrigen Klassenkameraden Rainer. Maximilians Mutter muss als Ärztin den Tod Rainers feststellen und erkennt zudem an der Tatwaffe, dass ihr Sohn der Mörder ist. Maximilian wird festgenommen. Die Zeugenaussagen decken die Hintergründe der Tat auf. Maximilian ist seit seiner Schulzeit bei seiner Großmutter in Berlin aufgewachsen. Nun, kurz vor seinem 18. Lebensjahr, holt seine Mutter Beate ihn zurück in ihre Familie. Maximilian muss Abschied nehmen von seinen Freunden und von seinem großen Hobby, dem Segeln. Er muss von Berlin in ein kleines Dorf ziehen, in dem seine Mutter als Ärztin tätig ist. Zusätzlich belastend ist das neue Verhältnis der Mutter zu Gunnar Strach, den sie zudem bald heiraten will. Gunnar und Maximilian kommen nicht miteinander aus. Auch in der Schule hat der gute Schüler Maximilian Probleme. Es entwickelt sich ein ständiges Kräftemessen mit dem Anführer der Klasse Rainer. Beide Jungen verlieben sich in ihre Mitschülerin Viola, die vor Maximilians Erscheinen Rainers Freundin war, nun jedoch zwischen beiden Jungen steht. Es entwickelt sich eine Freundschaft zwischen allen dreien und Maximilian nimmt beide mit nach Berlin zum Segeln. Als Maximilian Viola einen Hund schenkt, den er zuvor von seiner Mutter und Gunnar bekommen hat, wird Rainer misstrauisch. Bei einem Lagerfeuer mit anderen Schulkameraden singt Maximilian zur Gitarre unter anderem Liebeslieder. Als Viola ihn auffordert, weiter zu singen, zerrt Rainer sie in ein nahe gelegenes Waldstück. Maximilian rennt ihnen nach, sieht sie jedoch wenig später beim Liebesspiel. Viola und Rainer sind nun ein Paar, zumal Viola von Rainer schwanger ist. Viola gibt Maximilian seinen Hund zurück. Die Schulkameraden stellen ihn vor der gesamten Klasse bloß, das Kräftemessen zwischen ihm und Rainer wird zu einem Kräftemessen zwischen Maximilian und Rainers Freunden, dem Maximilian nicht gewachsen ist. Beate und Gunnar, die selbst immer häufiger Streit haben, sind Maximilian keine Hilfe und auch die Großmutter kann keinen Rat geben. Als der Hund erneut zu Viola ausgerissen ist, setzt Rainer Maximilian eine Frist, um das Tier abzuholen. Maximilian lässt die Frist verstreichen und Rainer tötet das Tier und legt es vor Maximilians Haus ab. Rasend vor Wut rennt Maximilian Rainer hinterher und ersticht ihn, als er ihn mit einem provokanten Spruch empfängt. Rainer wird beerdigt. Beate weiß, dass Maximilian nie wieder einen Fuß in das Dorf setzen kann. Sie selbst wird immer als die Ärztin gelten, deren Sohn ein Mörder ist. Gunnar hat einen Nervenzusammenbruch erlitten und es ist unklar, ob er zu Beate zurückkehren wird. Maximilian drohen wegen Totschlags mehrere Jahre Gefängnis. Er stellt fest, dass sich doch eigentlich alle nur auf die Schulferien gefreut hätten. Gesprächspartner: Gunther Scholz (Regisseur)


 

 

 

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