Prosa und Bild Literaturverfilmungen im LUCHS

 

Seit es das Kino gibt, haben literarische Werke anhaltend als Inspiration gedient. Längst hat sich die Literaturadaption zu einer eigenständigen Erzählform entwickelt, die sich vom ausführlichen Erzählgestus ihrer Vorlagen unabhängig gemacht hat, die Handlungen verdichtet und ganz eigene Auslegungen findet. Aus den Versatzstücken der Erzählung entsteht etwas Neues, Individuelles. Vorgeführt werden herausragende Filme, denen eine ebenso herausragende Literatur als Vorlage herhielte. An manchen Vorführungen gibt die Buchandlung Jacobi & Müller eine kurze Einführung.

 

nächste Einführung zu IN ZEITEN DES ABNEHMENDEN LICHTS, Mittwoch, den 7. Juli, um 20.30 Uhr

von Antje Jacobi (Literaturvorlage: Eugen Ruge)

 

In Zeiten des abnehmenden Lichts
Frühherbst 1989 in Ost-Berlin. Wilhelm Powileit, mit Orden und Ehrenzeichen versehendes SED-Parteimitglied und Patriarch der Familie, wird nun 90 Jahre alt. Für die Deutsche Demokratische Republik, in die er 1952 aus dem mexikanischen Exil zurückkehrte und die er aus festen Glauben mit aufbaute, hält der 40. Geburtstag Einzug – der letzte. Wilhelm und seine Frau Charlotte, gegenseitig in inniger Verbitterung verbunden, rüsten sich für Wilhelms Geburtstag. Anwohner, Genossen und intonierende Pioniere treten an, um dem Genossen Powileit zu beglückwünschen, Blumen zu überreichen und ihm einen weiteren Orden zu zuzuerkennen. Charlotte hegt den Wunsch auf eine Unterstützung der Familie: ihr Sohn Kurt, der 1956 aus den Gefangenenlager der UdSSR nach Ostberlin gekommen ist und in Ostberlin als Historiker arbeitet, Kurts Frau Irina, die er hinter dem Rücken betrügt, und auch Charlottes erwachsener Enkel Sascha haben ihre festen Plätze im parteikonformen Jubiläumsschauspiel. Doch Sascha wird heute nicht wie gewohnt den Tisch fürs kalte Buffet einrichten. Er ist nämlich nur ein paar Tage zuvor, in den Westen ausgeflogen. Die Botschaft platzt in die Festgesellschaft wie eine Bombe. Während Kurts Schwiegermutter Nadeshda Iwanowna in Wodka geschwängerter Bande ihre russischen Weisen anstimmt, rechnet die am Abgrund stehende Irina mit ihrer Schwiegertochter Melitta und der ganzen Gesellschaft ab. Hausangestellte Lisbeth fegt die Scherben zusammen und auch Charlottes Freundin Stine probiert zu retten, was zu retten ist. Doch um so weiter das Fest dem Ende zugeht, umso mehr brechen sich Geheimnisse ihre Bahn. Die Dynamik ist nicht mehr aufzuhalten. Es ist die Zeit des abnehmenden Lichts. Eugen Ruges gleichnamiger Roman wurde 2011 mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet. Regisseur Matti Geschonneck (BOXHAGENER PLATZ) sezte Wolfgang Kohlhaases (SOLO SUNNY, SOMMER VORM BALKON) kongeniales Drehbuch mit Freiheit und Präzision in Szene: Sensible Komik und anrührender Tragik für die Leinwand.

Am 7.6., 20.30 Uhr mit Einführung von Antje Jacobi, Buchhandlung Jacobi & Müller


Les Misérables
Getragen von der Ausdrucksform der Musik setzt OSCAR-Preisträger Tom Hooper (The King’s Speech) atemberaubende Bilder in Szene. Les Misérables" baut auf Victor Hugos gleichnamiger Romanvorlage auf: Gleichwohl er seine langjährige Haftstrafe verbüßt hat, wird Jean Valjean über Jahrzehnte vom energischen Polizeibeamten Javert verfolgt und in den Untergrund getrieben. Als Valjean das Mädchen Cosette, Tochter der allein erziehenden Arbeiterin Fantine, unter seine Fürsorge stellt, verändert sich deren Leben dramatisch. Bei der 70. Golden Globe-Preisverleihung im Januar 2013 hat "Les Misérables" mehrheitlich die begehrten Awards gewonnen, und überzeugte dabei die Jury in den Rubriken "Bester Film (Komödie oder Musical)”, "Bester Hauptdarsteller"(Komödie oder Musical)"und "Beste Nebendarstellerin”: Anne Hathaway.

Antje Jacobi (Buchhandlung Jacobi & Müller) wird in das Leben und Werk Victor Hugos einführen.


Love & Friendship (Jane Austens Lady Susan)
Sprechvermögen als Waffe: Kate Beckinsale und Chloë Sevigny in der vergnüglichen Jane-Austen-Adaption „Love & Friendship“: Sollte ein Könner und Gesellschaftsanalytiker wie Whit Stillman sich einer Vorlage von Jane Austen annimmt, sodann sprühen die Funken. In „Love & Friendship“ gibt er die bestens aufgelegte Kate Beckinsale, die Möglichkeit in dieser Komödie über die gehobene englische Gesellschaft des Georgianischen Zeitalters zu glänzen. Ihrer Lady Susan Vernon ist keine Hinterlist und Intrige zu schade, um ihre im heiratsfähigen Alter befindliche Tochter und sich selbst in eine möglichst einbringliche Situation zu bugsieren. Ein höchst amüsantes und virtuoses Spiel mit der Etikette, den puristisch gesellschaftlichen Regeln dieser Zeit – und mit den Mannsbildern.


Rückkehr nach Montauk
Der Schriftsteller Max Zorn reist zu einer Buchpremiere nach New York. In seinem neuen Werk schreibt Max vom Scheitern einer Liebe in dieser Stadt. Der Zufall wollte es so, dass er dort Rebecca wieder trifft, die Frau von einstmals. Max und Rebecca verbringen ein Wochenende zusammen. Die Körper entsinnen sich, aber sie ahnen nicht, ob sie das Vergangegne ungeschehen machen können. In Montauk werden sie es ergründen.
Anhand von RÜCKKEHR NACH MONTAUK hat sich Volker Schlöndorff einen lang gehegten Wunsch erfüllt: einen Film anzufertigen, welcher hier und heute spielt, ohne übertriebenen literarischen oder politischen Ehrgeiz. Glattweg Kino. RÜCKKEHR NACH MONTAUK baut auf einem Originaldrehbuch des irischen Schriftstellers Colm Tóibín („Brooklyn“) und Volker Schlöndorff auf, mit versteckten Fingerzeigen auf die Novelle „Montauk“ von Max Frisch, dessen „Homo Faber“ Regisseur Schlöndorff schon 1991 verfilmte.


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