Prosa und Bild Literaturverfilmungen im LUCHS

 

Seit es das Kino gibt, haben literarische Werke anhaltend als Inspiration gedient. Längst hat sich die Literaturadaption zu einer eigenständigen Erzählform entwickelt, die sich vom ausführlichen Erzählgestus ihrer Vorlagen unabhängig gemacht hat, die Handlungen verdichtet und ganz eigene Auslegungen findet. Aus den Versatzstücken der Erzählung entsteht etwas Neues, Individuelles. Vorgeführt werden herausragende Filme, denen eine ebenso herausragende Literatur als Vorlage herhielte. An manchen Vorführungen gibt die Buchandlung Jacobi & Müller eine kurze Einführung.

 

nächste Einführung zu AUGUSTE RODIN, im September

von Antje Jacobi (zum Thema Dante/Rodin)

 

Auguste Rodin
1880 in Paris. Der unter anderem skandalträchtige wie erfolgreiche Bildhauer Auguste Rodin wähnt sich am Ziel seiner Träume. Mit 40 Jahren bekommt er seinen ersten Staatsauftrag ab: „Das Höllentor“ – angeregt von Dantes „Göttlicher Komödie“ – soll als Bronzeportal das Entree des neuen Kunstgewerbemuseums im Pariser Louvre schmücken. Das gigantische Hochrelief setzt sich aus später so berühmten Einzelskulpturen wie „Der Denker“ und „Der Kuss“ zusammen – eine in Gesamtheit verschlingende Arbeit, die sich zu Rodins Lebenswerk entwickelt. Eine Abschnitt manischen Schaffens beginnt, die anhand Rodins Begegnung mit der hochtalentierten, 24 Jahre jüngeren Camille Claudel noch ausgeprägter wird. Mehr als ein Jahrzehnt lang ist seine Schülerin außerdem seine Geliebte, eine Verbindung zwischen zwei Genies, die ebenso leidenschaftlich denn turbulent verläuft. Camille ist Rodin handwerklich durch und durch ebenbürtig und emanzipiert. Achtung für diese Qualitäten verwehrt das Genie ihr aber zeit seines Lebens. Dass sie ihn keineswegs nur mit seiner Lebensgefährtin teilen muss, sondern selbst mit zahlreichen anderen Affären, mündet schließlich zum Bruch. Angefeuert von der Modernität seiner Geliebten stürzt sich Rodin mit noch größerer Besessenheit in seine Arbeit, erfährt am eigenen Leib Triumphe und Niederlagen – und gilt mit 60 Jahren bekanntermaßen als wohl größter Bildhauer aller Zeiten, ähnlich nur mit Michelangelo.
Regisseur Jacques Doillon gelingt es die Fesseln der Konventionen seines Genres abzulegen. Zwar spart auch er nicht an auffallenden, bekannten Momenten aus Rodins Leben, macht „Auftritte“ berühmter Künstler-Kollegen wie Monet, Hugo, Rilke oder Cézanne möglich, aber was ihn in erster Linie zu interessieren scheint ist der spannende Prozess der Arbeit.
Im September mit Einführung von Antje Jacobi (Buchhandlung Jacobi & Müller)


In Zeiten des abnehmenden Lichts
Frühherbst 1989 in Ost-Berlin. Wilhelm Powileit, mit Orden und Ehrenzeichen versehendes SED-Parteimitglied und Patriarch der Familie, wird nun 90 Jahre alt. Für die Deutsche Demokratische Republik, in die er 1952 aus dem mexikanischen Exil zurückkehrte und die er aus festen Glauben mit aufbaute, hält der 40. Geburtstag Einzug – der letzte. Wilhelm und seine Frau Charlotte, gegenseitig in inniger Verbitterung verbunden, rüsten sich für Wilhelms Geburtstag. Anwohner, Genossen und intonierende Pioniere treten an, um dem Genossen Powileit zu beglückwünschen, Blumen zu überreichen und ihm einen weiteren Orden zu zuzuerkennen. Charlotte hegt den Wunsch auf eine Unterstützung der Familie: ihr Sohn Kurt, der 1956 aus den Gefangenenlager der UdSSR nach Ostberlin gekommen ist und in Ostberlin als Historiker arbeitet, Kurts Frau Irina, die er hinter dem Rücken betrügt, und auch Charlottes erwachsener Enkel Sascha haben ihre festen Plätze im parteikonformen Jubiläumsschauspiel. Doch Sascha wird heute nicht wie gewohnt den Tisch fürs kalte Buffet einrichten. Er ist nämlich nur ein paar Tage zuvor, in den Westen ausgeflogen. Die Botschaft platzt in die Festgesellschaft wie eine Bombe. Während Kurts Schwiegermutter Nadeshda Iwanowna in Wodka geschwängerter Bande ihre russischen Weisen anstimmt, rechnet die am Abgrund stehende Irina mit ihrer Schwiegertochter Melitta und der ganzen Gesellschaft ab. Hausangestellte Lisbeth fegt die Scherben zusammen und auch Charlottes Freundin Stine probiert zu retten, was zu retten ist. Doch um so weiter das Fest dem Ende zugeht, umso mehr brechen sich Geheimnisse ihre Bahn. Die Dynamik ist nicht mehr aufzuhalten. Es ist die Zeit des abnehmenden Lichts. Eugen Ruges gleichnamiger Roman wurde 2011 mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet. Regisseur Matti Geschonneck (BOXHAGENER PLATZ) sezte Wolfgang Kohlhaases (SOLO SUNNY, SOMMER VORM BALKON) kongeniales Drehbuch mit Freiheit und Präzision in Szene: Sensible Komik und anrührender Tragik für die Leinwand.

Am 7.6., 20.30 Uhr mit Einführung von Antje Jacobi, Buchhandlung Jacobi & Müller


Les Misérables
Getragen von der Ausdrucksform der Musik setzt OSCAR-Preisträger Tom Hooper (The King’s Speech) atemberaubende Bilder in Szene. Les Misérables" baut auf Victor Hugos gleichnamiger Romanvorlage auf: Gleichwohl er seine langjährige Haftstrafe verbüßt hat, wird Jean Valjean über Jahrzehnte vom energischen Polizeibeamten Javert verfolgt und in den Untergrund getrieben. Als Valjean das Mädchen Cosette, Tochter der allein erziehenden Arbeiterin Fantine, unter seine Fürsorge stellt, verändert sich deren Leben dramatisch. Bei der 70. Golden Globe-Preisverleihung im Januar 2013 hat "Les Misérables" mehrheitlich die begehrten Awards gewonnen, und überzeugte dabei die Jury in den Rubriken "Bester Film (Komödie oder Musical)”, "Bester Hauptdarsteller"(Komödie oder Musical)"und "Beste Nebendarstellerin”: Anne Hathaway.

Antje Jacobi (Buchhandlung Jacobi & Müller) wird in das Leben und Werk Victor Hugos einführen.


Love & Friendship (Jane Austens Lady Susan)
Sprechvermögen als Waffe: Kate Beckinsale und Chloë Sevigny in der vergnüglichen Jane-Austen-Adaption „Love & Friendship“: Sollte ein Könner und Gesellschaftsanalytiker wie Whit Stillman sich einer Vorlage von Jane Austen annimmt, sodann sprühen die Funken. In „Love & Friendship“ gibt er die bestens aufgelegte Kate Beckinsale, die Möglichkeit in dieser Komödie über die gehobene englische Gesellschaft des Georgianischen Zeitalters zu glänzen. Ihrer Lady Susan Vernon ist keine Hinterlist und Intrige zu schade, um ihre im heiratsfähigen Alter befindliche Tochter und sich selbst in eine möglichst einbringliche Situation zu bugsieren. Ein höchst amüsantes und virtuoses Spiel mit der Etikette, den puristisch gesellschaftlichen Regeln dieser Zeit – und mit den Mannsbildern.


Rückkehr nach Montauk
Der Schriftsteller Max Zorn reist zu einer Buchpremiere nach New York. In seinem neuen Werk schreibt Max vom Scheitern einer Liebe in dieser Stadt. Der Zufall wollte es so, dass er dort Rebecca wieder trifft, die Frau von einstmals. Max und Rebecca verbringen ein Wochenende zusammen. Die Körper entsinnen sich, aber sie ahnen nicht, ob sie das Vergangegne ungeschehen machen können. In Montauk werden sie es ergründen.
Anhand von RÜCKKEHR NACH MONTAUK hat sich Volker Schlöndorff einen lang gehegten Wunsch erfüllt: einen Film anzufertigen, welcher hier und heute spielt, ohne übertriebenen literarischen oder politischen Ehrgeiz. Glattweg Kino. RÜCKKEHR NACH MONTAUK baut auf einem Originaldrehbuch des irischen Schriftstellers Colm Tóibín („Brooklyn“) und Volker Schlöndorff auf, mit versteckten Fingerzeigen auf die Novelle „Montauk“ von Max Frisch, dessen „Homo Faber“ Regisseur Schlöndorff schon 1991 verfilmte.


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