Location Mitteldeutschland

 

Die in Drehbüchern beschriebenen Orte scheinen in der mitteldeutschen Realität eine gute Entsprechung zu finden. Das Streben, kulturelle und wirtschaftliche Effekte durch Filmdrehs in den Ländern Sachsen, Sachsen-Anhalt oder Thüringen zu erzielen, ergibt für uns Zuschauer auch die Möglickeit dem Lokalkolorit zu frönen.

 

Akt
Mit drei zum Teil preisgekrönten Dokumentarfilmen über seine Heimat im Mansfelder Land machte sich Mario Schneider einen Namen in der deutschen Filmszene. Jetzt legt er einen Film über den fragilen menschlichen Körper und die fragile Seele in ihm vor. Schneider portraitiert in AKT vier verschiedene Personen, die mindestens eines verbindet: Sie stehen Akt und stellen ihre Körper in den Dienst der Kunst. Sie tauchen aus der Schnelllebigkeit unserer Welt ab und unverhüllt in der Mitte eines stillen Raumes wieder auf, in einer Körperhaltung verharrend, für Stunden und Minuten. Je mehr wir allerdings von den Lebensgeschichten dieser sehr unterschiedlichen Menschen erzählt bekommen, umso klarer wird, dass die eigentliche Herausforderung nicht das Ablegen der Kleidung ist. Schon in seinen vorhergehenden Filmen ist die außerordentliche Nähe zu den Personen vor der Kamera, ihre Aufgeschlossenheit und Ehrlichkeit immer ein wertvoller Teil seiner dokumentarischen Arbeit gewesen. In AKT wird das „Sich-Zeigen und Sich-Öffnen“ dabei auf zweifache Weise auch direkt zum Thema des Filmes. Die Premiere von AKT (mit Filmteam)ist im LUCHS am 3. April.


Das richtige Leben
Ein Dorf an der deutsch-tschechischen Grenze. Gechildert wird die Liebesgeschichte von Tommy aus sozial schwachen Verhältnissen und Julia aus bessergestelltem Elternhaus. Julia wird von Tommy unverhofft schwanger. Gegen den Willen ihrer Eltern entscheiden sich die beiden für das Kind und probieren sich eine eigene Zukunft aufzubauen. Da das Geld als Bäckerlehrling knapp ist, lässt Tommy sich auf einen bedenklichen Deal ein – Drogenschmuggel. Die junge Verbindung wird auf die Probe gestellt. Hinter der lebensecht abgebildeten Story lauern auch noch Konflikte aus der DDR-Zeit zwischen den beiden Elternhäusern. Ein Thriller mit manchen Spannungsmomenten, die den zwei Hauptfiguren blühen. Ein Herzensprojekt des Filmemachers, der die letzten Schritte der Produktion mit kleinen Spenden finanzierte. „Crowdfunding“ benennt man so etwas heute. Dabei herausgekommen ist ein Streifen, der realistisch und einfühlend-melodramatisch ist. Außerdem geben die ansprechenden Darsteller kräftig Gas. Bei der Vorführung am 20.02. werden der Regisseur Robert Heber und Darsteller Wolfgang Winkler zu einem Filmgespräch vor Ort sein.


Die Gewählten
2009 übernehmen sie ihr Abgeordnetenmandat im deutschen Bundestag: funf junge Menschen in fünf verschiedenen Parteien. Eine Physikerin aus Leipzig (SPD), eine Pianistin aus Ingolstadt (B90/Die Grünen), ein Architekt aus Forchheim (FDP), ein Rechtsanwalt aus Ludwigsburg (CDU) und ein Jurist aus Oberhausen (Die Linke). Eine Langzeitbeobachtung über fünf absolut unterschiedliche junge Menschen auf ihrem Weg in die große Politik. Für DIE GEWÄHLTEN hat die in Halle (Saale) geborene Nancy Brandt den Kulturpreis Bayern 2015 erhalten! Außerden war die sehenswerte und kurzweilige Doku für den FFF-Förderpreis Dokumentarfilm 2015 nominiert. Nancy Brandt wird am 6.3. Gast im LUCHS sein. Angefragt sind auch Protagonisten des Films.


Ein Tag der Zivilcourage – Der 17. Juni 1953 in Halle
Im Auftrag des Zeitgeschichte(n) e.V. Verein für erlebte Geschichte entstand ein Dokumentarfilm von Marlies und Andreas Splett, produziert vom ATV-Studio Halle, mit bis dato unveröffentlichtem Bildmaterial und Zeitzeugenberichten zu den Ereignissen des Tages. Die Premiere fand am 17. Juni 2003, 18.00 Uhr im Stadthaus in Halle (Saale) statt. Ausgangspunkt der Streikbewegung war die Lokomotiven- und Waggonbaufabrik Ammendorf. Arbeiter zahlreicher Betriebe schlossen sich an. Aus Empörung über die diktatorische Politik der SED und die schlechten Lebensbedingungen marschierten sie zur Innenstadt, besetzten Parteibüros und Haftanstalten. Propagandalosungen wurden entfernt. Akten auf die Straßen geworfen. Die Aktion fand spontan und an verschiedenen Orten gleichzeitig statt. Erst am frühen Nachmittag wurde ein Streikkomitee gewählt. Die Demonstranten belagerten die Gefängnisse und forderten die Freilassung politischer Häftlinge. In der Untersuchungshaftanstalt gelang die Befreiung der Gefangenen, am Zuchthaus "Roter Ochse" nicht. Mit Schüssen in die Menge wurden die Aufständischen zurückgedrängt. Bereits am Nachmittag gab es Tote und Verletzte. Höhepunkt des Protestes war die Kundgebung um 18 Uhr auf dem Hallmarkt mit ca. 60.000 Teilnehmern. Nach der Kundgebung vertrieben sowjetische Panzer die Demonstranten und setzten den Ausnahmezustand durch. Mit Desinformationen versuchte die SED, die Erinnerung an die wirklichen Ereignisse zu verdunkeln.
Eintritt: 3 €


Erich Mielke - Meister der Angst
Das Ministerium für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik: „Schild und Schwert der Partei“. Gegründet wurde das MfS 1950, gelenkt hat sie Erich Mielke. Der Mann aus dem Berliner Wedding organisierte und prägte den Unterdrückungsapparat, dessen zermürbende und subtile Gewaltherrschaft Zehntausende ins Gefängnis brachte. Erstmals erzählt nun ein umfassendes Dokudrama, wie Erich Mielke wurde, was er war: ein Meister der Angst. Zu den Spielfilmebenen ergänzen Interviews in Verbindung mit Archivmaterial und exklusiven Einsichten in die BND- und CIA-Akten über Mielke das 90-minütige Dokudrama. Im Interview berichten u.a. Roland Jahn, Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR, Mielkes Anwälte Stefan König und Hubert Dreyling, der KGB General a. D. Nikolai Leonow, der renommierte Historiker Nikita Petrow sowie der Leiter der JVA Moabit Wolfgang Fixson. In der Rolle des Erich Mielke ist der Berliner Schauspieler Kaspar Eichel zu sehen.


Lesung: Wilhelm Bartsch
Mansfeld-Texte, Gedichte und Prosa
Film: Des Mannes Feld
Vorfilm: 40 Jahre Petersberg-Rallye

Des Mannes Feld

Drei Jahre lang reiste das Filmteam in des Mannes Feld, untertage, über Tage und auch im Himmel darüber. „Enterztes Land“ sei „entehrtes Land?“ Das Mansfeld zeigt sich nicht so. Es zieht auf magische Weise selber die Regie an sich, es gibt den Ton vor und an, bestimmt den Rhythmus, es erzeugt die Klänge, ja die Musik. Deshalb gibt es diesem Filmessay auch nichts an Worten hinzuzufügen. Es ist auch eine Geisterbahn für die Sage vom Mansfeld, für Mansfelder Bergleute wie Novalis, Luther und Franz Fühmann, die das Nötige zu dieser durchbrauchten Landschaft zärtlich, radikal und knapp zu sagen haben. Ein unvermutet schönes, fast exotisches Land, gerade wegen seiner Brachen, Wüstungen und Halden.

40 Jahre Petersberg-Rallye

Der hallesche Maler Wasja Götze organisiert seit 1967 die Petersberg-Rallye, ein Gaudi-Radrennen von Halle zum fünfzehn Kilometer entfernten Petersberg. Eine künstlerisch inspirierte Fahrradrallye mit phantasievoll gekleideten Rennteilnehmern. Wer teilnahm wusste, der Erste im Ziel hat garantiert verloren. Zu Zeiten der DDR Diktatur war dieser heitere Unfug der Stasi natürlich ein Dorn im Auge. Das Ministerium für Staatssicherheit vermutete, hier wird gegen den Staat geradelt. Deswegen wurde die Petersberg-Rallye durch zahlreiche Spitzel beäugt. Man kam in der Analyse zum Ergebnis, dass besonders "politisch labile und politisch negative Personen" zum Teilnehmerkreis gehörten. Alle kläglichen Versuche, das Rennen zu verbieten, schlugen fehl. Der zehnminütige Filme von Andreas Splett begleitet den Maler, Grafiker und Liedermacher Wasja Götze, den Erfinder der Petersberg-Rallye und die Teilnehmer der Radtour zum 40jährigen Bestehen im Jahr 2007. Illustriert wird der Kurzfilm auch mit historischen Filmaufnahmen von Dieter Johannes Hanisch aus den 1980er Jahren. Länge: 10 Minuten, Regie: Andreas Splett





Staatsdiener
Der Film STAATSDIENER begleitet das spannende und nervenaufreibende erste Studienjahr von Studenten an der Polizeischule in Aschersleben und während ihres Praktikums auf Streife in Halle. Der Dokumentarfilm zeigt junge Menschen, die erlernen, sich für Recht und Gesetz stark zu machen – und die ab und an auch an ihrer neuen Rolle und der Härte der Realität auf der Straße scheitern. Zum ersten Mal begleitet eine Doku ohne jegliche Einschränkung oder Zensur die Ausbildung junger Polizisten. Eine versteckte und unbekannte Welt. Es wird damit ein Blick hinter die Kulissen des Polizeiapparates ermöglicht. Zugleich erzählt der Film auch eine Geschichte vom Erwachsenwerden unter erschwerten Bedingungen.


Tschick
Der große Erfolg von Wolfgang Herrndorfs Roadnovel „Tschick“ musste ja verfilmt werden. Und wir können froh sein, dass Fatih Akin (SOUL KITCHEN, GEGEN DIE WAND) die Regie führt. Seine Nähe und Emotionalität hat eine ganz eigene Qualität, die aber trotzdem zur Geschichte passt: Während die Mutter in der Entzugsklinik und der Vater mit seiner Assistentin auf „Dienstreise“ ist, verbringt der 14-jährige Eigenbrötler Maik Klingenberg die großen Ferien allein am Pool der elterlichen Villa. Da kreuzt Tschick auf. Tschick stammt aus Russland, kommt aus einem der Wohnblocks in Berlin-Marzahn – ansonsten hat er einen geklauten Lada dabei. Im Zuge dessen beginnt eine Reise ohne Karte und Kompass durch die sommerglühende ostdeutsche Provinz (gedreht in Sachsen-Anhalt und Brandenburg).


Unser letzter Sommer
Filmemacher Michal Rogalski erzählt beeindruckend vom Leben junger Menschen, von ihrer ersten Liebe und ihren Freundschaften: Irgendwo in Südostpolen im Sommer 1943. Die Deutschen haben dort einen Militärposten errichtet, in dem der fatale Krieg noch seltsam weit weg scheint. Während der Pole Romek mit den Zügen rangiert und liegen gelassene Koffer plündert, zieht der gleichaltrige Deutsche Guido als Mitglied der Sicherheitspolizei (fantastisch gespielt von Nachwuchstalent Jonas Nay - bekannt aus WIR SIND JUNG. WIR SIND STARK) durch die Wälder. Beide haben sich ihr Leben anders vorgestellt, als es in jenem Sommer verläuft. Denn Guido verliebt sich in die Polin Franka und Romek entdeckt eines Tages ein verletztes, jüdisches Mädchen im Wald. Die Bedrohung, die aus der Besatzung resultiert wird dadurch für alle noch spürbarer. Rogalski macht uns den Verlust der Unschuld und die Zurichtung zur Grausamkeit ganz subtil sichtbar. Absolut nicht plakativ in Szene gesetzt und auch nicht überflüssig symbolhaft. Vielmehr fühlbar als Wirkung von Ereignissen auf vier junge Menschen und als dauerhafte Beschädigung. Der viel gelobte Film (ko-produziert von der Sunday Filmproduktions GmbH, Halle/Saale) stieß im Ausland auf größeres Interesse als hierzulande. Im LUCHS gibt es endlich die Gelegenheit das herausragende Werk zu sehen ( 40. Gdynia Film Festival 2015: Preis der Jugendjury, Auszeichnung für beste Kamera und beste Nebendarstellerin; World Film Festival Montreal 2015: Bestes Drehbuch). Produzent Thomas Jeschner wird den Film an zwei Terminen (12. und 18. Jan.) vorstellen.


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