video

Corsage

Österreich/Luxemburg/Deutschland/Frankreich 2022
112 Minuten
Buch und Regie: Marie Kreutzer
Darsteller: Vicky Krieps, Florian Teichtmeister, Katharina Lorenz
FSK: ab 12

Endlich gab es dieses Jahr in Cannes in der renommierten Nebenreihe Un Certain Regard wieder eine Mischung aus Rebellion und Verweigerung. In Gestalt einer Kaiserin, die dem imperialen Gestus den Mittelfinger zeigt: Elisabeth von Österreich-Ungarn, alias Sissi (eigntlich Sisi), verlässt genervt eine Abendgesellschaft und lässt am Tisch Gemahl und geladene Würdenträger zurück. In dem Film der Regisseurin Marie Kreutzer ist die von der wunderbaren Vicky Krieps ganz fragil gespielten Regentin des Repräsentierens müde, sie hat genug vom Zeremoniell, von den Gerüchten der Gazetten, vom Gossip über ihre Figur. Mitreden will sie über das sich auflösende K.u.k.-Reich, will ihrem Mann ein Gegenüber und ihren Kindern eine Mutter sein. Kreutzer baut in „Corsage“ geschickt immer wieder Brüche mit der ohnehin immer nur konstruierten Historizität ein: in Form eines Popsongs (Camille) oder einzelner Ausstattungsstücke, die die historische Illusion durchbrechen. Damit ist eine Parallele zu Sofias Coppolas Porträt von „Marie Antoinette“ (2006) und eben auch zu unserer Lebenswirklichkeit gezogen. Auf der einen Seite wird Elisabeths Schönheit in jedem ihr dargebrachten Ständchen herausgestellt – und doch gibt es andererseits die Korsetts, in die sie sich zwängen muss und die ihr – konkret und im übertragenden Sinne – die Luft rauben. Sie stehen für den Druck, unter dem sie steht: sie unterzieht sich einer rigiden Diät und erinnert an zahlreiche Schauspielerinnen, die mit dem Überschreiten einer gewissen Altersgrenze einfach aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwinden. „Corsage“ ist ein hochmoderner Film über das, was wir Geschichte nennen und eben auch eine radikal politische Arbeit, die ein neues Bild einer historischen Figur zeichnet, deren kollektive Vorstellung bis heute durch die aus den 50er-Jahren stammende Sissi-Trilogie mit der jungen Romy Schneider bis zur Unkenntlichkeit verzerrt wurde. Ein emanzipatorischer Beitrag gegen die auch noch derzeit oft festzustellende Reduzierung von Frauen auf Rollen und ihr Verschwinden und Verstummen innerhalb einer vorwiegend männlich geprägten Gesellschaft.

Genre
Drama, Historienfilm
Klassenstufe
ab 10. Klasse
Altersempfehlung
ab 15 Jahre
Unterrichtsfächer
Sozialkunde, Geschichte, Psychologie, Deutsch, Politik
Themen
Gender/Geschlechterrollen, Identität, Selbstkonstituierung des Ich, Repräsentation, Pflicht, Öffentlichkeit und Privatraum, Selbstbestimmung, Emanzipation, Melancholie

 

In unserem Kino am:






Tipp: Mit einen Klick auf die Zeit
den Termin runterladen.

 

Anmeldung:

Nutzer: Kennwort: