Vormittags bieten wir Vorstellungen für Schulklassen an.

Sie können sich feststehenden Terminen anhand eines ein-fachen Anrufs anschließen oder Sie vereinbaren einen Termin Ihrer Wahl für einem der Filme aus dem aktuellen Angebot.

 

Andere Filme können auch kurzfristig für Gruppen ab 15 Personen geordert werden.


Die Filme auf der rechten Spalte halten wir für be-sonders geeignet und möchten sie deshalb gesondert hervorheben. Diese Filme beziehen sich nicht auf die SchulKinoWochen.



Den Link zu den

SchulKinoWochen im LUCHS finden sie hier:

Programm+Anmeldung

https://www.schulkinowoche-th-st.de/kinos-programm/halle/

Alcarràs - Die letzte Ernte
Der Film "Alcarràs", mit dem die Regisseurin Carla Simón auf der 72. Berlinale den Goldenen Bären gewonnen hat, ist in seiner Geschichte ganz gegenwärtig. Menschen mit Grund und Geld ändern die Regeln für die anderen Menschen, hier die kleinen Bauern in Katalonien, die biologischen Landbau betreiben. Jetzt sollen Solarpaneele dorthin, wo seit Jahrzehnten Pfirsiche, Nektarinen und Feigen wachsen. Bis zum Herbst, wenn die Ernte eingebracht ist, bleibt Zeit, dann muss die Familie weichen. Simón erzählt ihr Generationentableau fast als eine Art Kammerspiel in der wilden, freien Landschaft Kataloniens. Einen Vertrag über den Landbesitz hat der Großvater nicht. Schließlich hat er der Familie des Besitzers im Bürgerkrieg das Leben gerettet; ein Handschlag hatte damals genügt. Vater Qumet ist überarbeitet und gereizt. Sein halbwüchsiger Sohn Roger, der im Maisfeld heimlich Cannabis anbaut, kann es ihm ohnehin nicht recht machen. Aber es ist eine hilflose Wut, er hat Rückenschmerzen und fällt für die Ernte aus, und seine sture Art von Männlichkeit scheint anachronistisch überholt. Es sind die Frauen, die alles vorantreiben, sich längst mit dem Wandel arrangiert haben und darauf warten, dass die Männer endlich klarkommen. Irgendwann verliert Qumets Frau – Dolors – die Geduld, ohrfeigt erst ihren Sohn und dann ihren Mann, aber auch sie kann die Familie nicht erschüttern. Mit Bildern, die zwischen der rauen Weite des Landes und der Enge dieses sommerlichen Familienlebens changieren, lässt Simón eine bedrohte Idylle entstehen: die zum Untergang verdammte Utopie einer intakten Beziehung zwischen Mensch und Erde. So zärtlich pflückt der Großvater die Feigen, dass es scheint, er locke sie vom Baum. Wenn die protestierenden Bauern ihr Obst in der Stadt auskippen und Bagger darüber fahren, um bessere Preise zu erzwingen, wirkt dieses Bild wie ein Schock.

Die katalanische Sonne und die kindliche Allmacht, die fängt niemand so schön und lebendig ein wie Carla Simón!

Am 11.08. im Anschluss an die Vorstellung um 20 Uhr Diksussion mit Biophilja Permakulturhof Halle

Originaltitel
Alcarràs
Genre
Drama
Klassenstufe
ab 7. Klasse
Altersempfehlung
ab 12 Jahre
Unterrichtsfächer
Spanisch, Erdkunde, Deutsch, Ethik, Sozialkunde, Politik, fächerübergreifend: Umwelterziehung
Themen
Familie, Generationen/-konflikt, Heimat, Identität, Tradition, Werte, Arbeit, Ernährung, Umwelt, Natur, Zerstörung, Technik/neue Technologien, Politik, Widerstand, Zukunft


Corsage
Endlich gab es dieses Jahr in Cannes in der renommierten Nebenreihe Un Certain Regard wieder eine Mischung aus Rebellion und Verweigerung. In Gestalt einer Kaiserin, die dem imperialen Gestus den Mittelfinger zeigt: Elisabeth von Österreich-Ungarn, alias Sissi (eigntlich Sisi), verlässt genervt eine Abendgesellschaft und lässt am Tisch Gemahl und geladene Würdenträger zurück. In dem Film der Regisseurin Marie Kreutzer ist die von der wunderbaren Vicky Krieps ganz fragil gespielten Regentin des Repräsentierens müde, sie hat genug vom Zeremoniell, von den Gerüchten der Gazetten, vom Gossip über ihre Figur. Mitreden will sie über das sich auflösende K.u.k.-Reich, will ihrem Mann ein Gegenüber und ihren Kindern eine Mutter sein. Kreutzer baut in „Corsage“ geschickt immer wieder Brüche mit der ohnehin immer nur konstruierten Historizität ein: in Form eines Popsongs (Camille) oder einzelner Ausstattungsstücke, die die historische Illusion durchbrechen. Damit ist eine Parallele zu Sofias Coppolas Porträt von „Marie Antoinette“ (2006) und eben auch zu unserer Lebenswirklichkeit gezogen. Auf der einen Seite wird Elisabeths Schönheit in jedem ihr dargebrachten Ständchen herausgestellt – und doch gibt es andererseits die Korsetts, in die sie sich zwängen muss und die ihr – konkret und im übertragenden Sinne – die Luft rauben. Sie stehen für den Druck, unter dem sie steht: sie unterzieht sich einer rigiden Diät und erinnert an zahlreiche Schauspielerinnen, die mit dem Überschreiten einer gewissen Altersgrenze einfach aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwinden. „Corsage“ ist ein hochmoderner Film über das, was wir Geschichte nennen und eben auch eine radikal politische Arbeit, die ein neues Bild einer historischen Figur zeichnet, deren kollektive Vorstellung bis heute durch die aus den 50er-Jahren stammende Sissi-Trilogie mit der jungen Romy Schneider bis zur Unkenntlichkeit verzerrt wurde. Ein emanzipatorischer Beitrag gegen die auch noch derzeit oft festzustellende Reduzierung von Frauen auf Rollen und ihr Verschwinden und Verstummen innerhalb einer vorwiegend männlich geprägten Gesellschaft.

Genre
Drama, Historienfilm
Klassenstufe
ab 10. Klasse
Altersempfehlung
ab 15 Jahre
Unterrichtsfächer
Sozialkunde, Geschichte, Psychologie, Deutsch, Politik
Themen
Gender/Geschlechterrollen, Identität, Selbstkonstituierung des Ich, Repräsentation, Pflicht, Öffentlichkeit und Privatraum, Selbstbestimmung, Emanzipation, Melancholie


Das Licht, aus dem die Träume sind
Ein Film über das Kino – wunderbar! Der indische Regisseur Pan Nalin („Samsara“) hat sich in seinem neuen Film „Das Licht, aus dem die Träume sind“ von eigenen Kindheitserinnerungen inspirieren lassen. Wer von uns kann sich nicht daran erinnern – der große Saal, die rauschenden Farben, das Rattern des Filmprojektors – die erste Kinoerfahrung ist eine ganz besondere. Auch der achtjährige Samay, der mit seiner Familie in einem kleinen Dorf in Indien lebt, wird von diesem Zauber erfasst, als er das erste Mal mit seinem Vater in einem Kinosaal sitzt. Er möchte gegen jedweden familiären Widerstand Filmemacher werden – ein Wunsch, der immer wieder aufs Neue genährt wird, wenn er im Vorführraum von Fazal sitzt. Doch die Ära des Zelluloids neigt sich ihrem Ende zu und dem örtlichen Kino droht die Schließung. In nostalgischen Bildern zeigt Nalin, wie Samay und seine Freunde Sonnenbrillen aus bunten Filmschnipseln basteln. Ein wunderbar bunter und selbstreferentiell anheimelnder Film, in dem sich kindliche Faszination ganz sicher auf die Zuschauer*innen übertragen wird!

Originaltitel
Last Film Show
Genre
Kinder- und Jugendfilm, Coming-of-Age Klassenstufe
ab 7. Klasse
Altersempfehlung
ab 12 Jahre
Unterrichtsfächer
Deutsch, Politik, Erdkunde, Sozialkunde, Kunst
Themen
Fantasie, Film, Filmemachen, Filmgeschichte, Kindheit/Kinder, Erwachsenwerden, Technik(Neue Technologien


Der kleine Nick auf Schatzsuche
Spaßig, raffiniert und federleicht französisch – die neuen Abenteuer des kleinen Nick sind ein Filmspaß für die ganze Familie. Dass der neunjährige Nick dabei eine geheimnisvolle Schatzkarte findet, ist eine mehr als willkommene Ablenkung für ihn. Und natürlich für die großen und kleinen Zuschauer.

Originaltitel
Le trésor du petit Nicolas
Genre
Kinder- und Familienfilm, Abenteuerfilm, Literaturadaption
Klassenstufe
ab 6. Klasse
Altersempfehlung
ab 6 Jahre
Unterrichtsfächer
vorfachlicher Unterricht, Deutsch, Französisch, Ethik, Kunst
Themen
Familie, Freundschaft, Kindheit/Kinder, Abenteuer, Selbstbewusstsein, Bildung/Bildungssystem, Gender/Geschlechterrollen


Der Räuber Hotzenplotz
Potzblitz – ist doch wieder einmal Großmutters Kaffeemühle verschwunden! Kasperl und sein bester Freund Seppel wissen sofort, in wessen Verstecken diese zu suchen ist – bei Räuber Hotzenplotz natürlich. Die beiden geraten in die Gefangenschaft von Hotzenplotz und dem bösen Zauberer Petrosilius Zwackelmann – und die kleine Fee Amaryllis muss auch noch vor dem Magier gerettet werden. Höchste Zeit für Polizist Dimpfelmoser, die Hellseherin Schlotterbeck und dem zum Krokodil mutierten Dackel Wasti, den kniffligen Fall zu lösen. Turbulenter Räuber-Spaß!

Genre
Kinderfilm, Literaturadaption

Klassenstufe
2. bis 5. Klasse

Altersempfehlung
7 bis 10 Jahre

Unterrichtsfächer
vorfachlicher Unterricht, Deutsch, Sachkunde, Kunst, Religion, Ethik/Lebenskunde

Themen
Abenteuer, Gerechtigkeit, Gut & Böse, Kindheit/Kinder, Magie, modernes Märchen


Die Mucklas … und wie sie zu Pettersson und Findus kamen
Die kleinen quirligen Kobolde wohnen in einem kleinen Laden, in dem sie schalten und walten können, wie sie wollen. Doch leider verstirbt der Besitzer des Ladens und ein Auszug ist unausweichlich. Also machen sie sich auf den Weg, um ein neues Quartier zu finden. Aber die Welt da draußen ist gefährlich und sie müssen feste zusammenhalten.

Genre
Animationsfilm, Kinderfilm
Klassenstufe
2. bis 5. Klasse
Altersempfehlung
7 bis 10 Jahre
Unterrichtsfächer
vorfachlicher Unterricht, Deutsch, Sachkunde, Musik, Kunst, Religion, Ethik/Lebenskunde
Themen
Filmsprache, Abenteuer, Teamwork, Gemeinschaft/Gemeinschaftssinn, Musik


In einem Land, das es nicht mehr gibt
Ostberlin, 1989: Kurz vor dem Abitur fliegt Suzie von der Schule und muss sich im Kabelwerk Oberspree als Arbeiterin bewähren. Ein zufällig geschossenes Foto in der Straßenbahn auf dem Weg zur Frühschicht öffnet ihr die Tür in die glamouröse Welt der Mode von VEB Exquisit. Sie landet auf dem Cover des Modejournals „Sibylle“ – die ‚Vogue des Ostens‘. Chefredakteurin Elsa Wilbrodt – wie immer zuverlässig gut von Claudia Michalsen gespielt – eröffnet ihr so eine Chance, dem tristen sozialistischen Fabrikalltag vielleicht doch noch entfliehen zu können. Suzie taucht ein in die schillernde Subkultur des Ostberliner Undergrounds, in der der exzentrische Rudi und seine Freunde mit leidenschaftlicher Fantasie ihre eigene Mode aus Duschvorhängen und anderem verfügbaren Material kreieren. Sie verliebt sich in den rebellischen Fotografen Coyote, dessen Bilder alle verzaubern, aber trotzdem nicht gedruckt werden. Auf seiner ‚Indian‘ fliegen sie zusammen ans Meer, und Suzie erlebt die Freiheit, von der sie immer geträumt hat. Doch diese Freiheit hat ihren Preis.

Regisseurin Aelrun Goette wurde Ende der 80er Jahre selbst auf einer Straße in Ostberlin als Mannequin entdeckt. „In einem Land, das es nicht mehr gibt“ basiert auf ihren Erinnerungen und führt uns in eine für viele völlig unbekannte Welt: die Modeszene der DDR.

Genre
Drama, Coming of Age
Klassenstufe
ab 9. Klasse
Altersempfehlung
ab 14 Jahre
Unterrichtsfächer
Deutsch, Geschichte, Politik, Sozialkunde, Wirtschaft/WAT, Ethik, Philosophie, Kunst, Musik
Themen
DDR, Mode, (deutsche) Geschichte, Sozialismus, Diktatur, Demokratie, Freiheit, Selbstverwirklichung, Identität, Individuum (und Gesellschaft), Kreativität, Subkultur, Jugend, Rebellion, Freundschaft, Liebe, Solidarität, Rivalität, Verrat, Gender/Geschlechterrollen, LGTBQ+, Stasi


Licorice Pizza
Endlich ­– vier Jahre nach seinem Oscar-prämierten Meisterwerk Der seidene Faden kehrt Ausnahmeregisseur Paul Thomas Anderson (The Master, Magnolia) ­– mit Licorice Pizza auf die große Leinwand zurück. Die Filmkritiker vom US-amerikanischen National Board of Review haben die turbulent-ungewöhnliche Romanze über das Erwachsenwerden und die große Liebe zum besten Film des Jahres 2021 gekürt. Im kalifornischen San Fernando Valley des Jahres 1973 entwickelt sich zwischen der Mittzwanzigerin Alana (Alana Haim) und dem Teenager Gary (Cooper Hoffman) eine Freundschaft. Doch inmitten des alltäglichen Trubels aus Gelegenheitsjobs und Schauspielkarriere, Freunden und Politik, Vinyl und Super 8 entstehen mit der Zeit auch tiefer gehende Gefühle ... In Licorice Pizza lässt Paul Thomas Anderson seine Sonde nicht nur in die Sphären einer außergewöhnlichen Liebe und in die aufwühlende als auch verwirrende Zeit des Erwachsenwerdens hinab, sondern nimmt uns mit auf eine Reise zurück in die Siebziger – in ein Leben zwischen Schlaghosen und Ölpreiskrise, New Hollywood und Motown. Vor der Kamera begeistern in den Hauptrollen zwei Shootingstars mit einem grandiosen Schauspieldebüt: Cooper Hoffman, Sohn der verstorbenen Schauspiellegende Philip Seymour Hoffman, und die Grammy-nominierte Musikerin Alana Haim aus der Schwesternband Haim, die Anderson bereits in mehreren Kurzdokus begleitet hat und die in Licorice Pizza auch vor der Kamera als Familie zu sehen ist. An ihrer Seite brilliert ein erstklassiges Ensemble aus dem achtfach Oscar- und dreifach Golden-Globe-nominierten Bradley Cooper (Silver Linings, A Star is Born), dem zweifachen Oscar-Gewinner Sean Penn (Milk, Mystic River), der mit diversen Emmys geehrten Comedienne Maya Rudolph (Brautalarm) sowie dem mehrfach Grammy-prämierten Kultmusiker Tom Waits (Down By Law). Paul Thomas Anderson – großartige Schauspieler:innen – beste Musik; was wollen wir mehr!

Genre
Drama, Komödie, Coming-of-Age, Romanze
Klassenstufe
ab 9. Klasse
Altersempfehlung
ab 14 Jahre
Unterrichtsfächer
Englisch, Deutsch, Musik, Kunst, Ethik, Philosophie, Erdkunde, Sozialkunde, Geschichte
Themen
Erwachsenwerden, Lebensentwürfe, Träume, USA, erste Liebe, Filmindustrie, Individuum (und Gesellschaft), Jugend/Jugendliche/Jugendkultur, Rassismus, Sexismus, Homophobie, Antisemitismus


Mittagsstunde
Als seine Großmutter Ella zusehends verwirrter wird und sein Großvater Sönke sich einfach nicht von seiner Kneipe, dem Dorfkrug, trennen will, nimmt der 47-jährige Unidozent Ingwer Feddersen (Charly Hübner) ein Sabbatical und kehrt in sein Heimatdorf Brinkebüll zurück, um „Vadder“ und „Mudder“ – beide hatten ihn bei sich aufgenommen und großgezogen – zu pflegen. Doch das Dorf erkennt er kaum wieder – es gibt keine Schule, keinen Bäcker, keine Kastanienallee, keine Störche mehr, und auf den Feldern wächst nur noch Mais. Als wäre eine ganze Welt versunken. Wann hat dieser Niedergang begonnen? In den 1970ern, als nach der Flurbereinigung die Vögel verschwanden? Als die großen Höfe wuchsen und die kleinen untergingen? Als Ingwer zum Studium nach Kiel ging und seine (Groß-)Eltern mit dem Gasthof allein ließ? Wann verschwand die Mittagsruhe mit all ihren Herrlichkeiten und Heimlichkeiten? Ingwer, der sich schon länger fragt, wo eigentlich sein Platz im Leben sein könnte, beschließt, seinem Lehrstuhl an der Universität und seinem Leben in Kiel den Rücken zu kehren, um sich seiner Vergangenheit zu stellen. Der auf Dörte Hansens gleichnamigen Roman basierende Film von Regisseur Lars Jessen ist ein sensibler Film, der nicht nur, aber ganz besonders in der unaufgeregten und deshalb umso wirkungsvolleren Zeichnung seiner zwischenmenschlichen Verbindungen überzeugt und berührt. Das liegt auch an den Schauspielern; ein auf Vergangenheits- wie Gegenwartsebene gut funktionierendes, herausragendes Ensemble.

Genre
Drama, Literaturadaption
Klassenstufe
ab 9. Klasse
Altersempfehlung
ab 14 Jahre
Unterrichtsfächer
Deutsch, Ethik, Philosophie, Psychologie, Erdkunde, Politik, Sozialkunde
Themen
Lebenskrisen, Sinnsuche, Familie, Individuum (und Gesellschaft), Selbstverwirklichung, Strukturwandel, Stadt und Land


Schweigend steht der Wald
In Saralisa Volms Langfilmdepüt nach gleichnamigem Roman von Wolfram Fleischhauer verschlägt es uns in die Oberpfalz als schauriges Totenreich, in der die Vergangenheit nicht ruhen will und auch nicht ruhen darf. Vor 20 Jahren ist der Vater von Anja – endlich sehen wir wieder die wunderbare Henriette Confurius – spurlos im Wald verschwunden. Nun kehrt sie als Praktikantin der Forstwirtschaft in eben dieses Gehölz zurück, in dem ihr Vater zuletzt gesehen wurde. Kurz nachdem sie wieder in ihrer alten Heimat angekommen ist, versetzt ein Selbstmord den Ort in Unruhe. Alle glauben, dass der Tod in Zusammenhang mit dem Verschwinden von Anjas Vater steht. Als die Forstpraktikantin im Boden des Waldes auf Unregelmäßigkeiten stößt, die weitere Indizien für Schuld und Verdrängung liefern, löst das eine Katastrophe aus. Der Regisseurin gelingt es vortrefflich, den Pfad zwischen Drama, Krimi, Psychothriller und Horrorfilm entlangzuwandern, ohne je gänzlich in die eine oder andere Richtung zu kippen.

Genre
Drama, Thriller, Literaturadaption
Klassenstufe
ab 10. Klasse
Altersempfehlung
ab 15 Jahre
Unterrichtsfächer
Geschichte, Sozialkunde, Deutsch, Ethik, Psychologie
Themen
(deutsche) Geschichte, Schuld und Sühne, Erinnern, Verdrängen, Holocaust, Todesmärsche, Konzentrationslager, Individuum (und Gesellschaft), Natur, Gewalt, Verantwortung, Märchen


She Said
Standing Ovations und langer Applaus: So endete kürzlich die Premiere beim New York Film Festival von Maria Schraders "She Said" mit Carey Mulligan und Zoe Kazan als New York Times-Reporterinnen Megan Twohey und Jodi Kantor in den Hauptrollen. Es geht um starke Frauen: allen voran die Reporterinnen Kantor und Twohey, die in mühevoller Recherche einen Skandal aufdecken, der nicht ans Licht kommen soll. In dessen Zentrum steht Harvey Weinstein, der einst mächtige Produzent vieler auch Oscar-prämierter Hollywood-Filme. Im Newsroom kursieren Gerüchte, dass er seine Machtposition ausgenutzt und vielfachen sexuellen Missbrauch begangen haben soll. Gemeinsam mit einem Team aus Journalisten und Juristen sammeln Kantor und Twohey Aussagen möglicher Opfer und Mitwisser und arbeiten zunehmend gegen aufkommende Widerstände an. Denn, so zeigt der Film, Weinstein lässt nichts unversucht, seine Taten aus dem Licht der Öffentlichkeit zu halten. Stärke zeigen auch die Frauen, die all ihren Mut zusammennehmen und trotz teils bestehender Verschwiegenheitserklärungen mit Kantor und Twohey sprechen – wenn auch unter der Bedingung, anonym zu bleiben. Die aufwendige Recherche der beiden, die der Film nachzeichnet, mündete 2017 in der New York Times-Reportage "Harvey Weinstein bezahlte jahrzehntelang Frauen, die ihn der sexuellen Belästigung anklagen, für ihr Schweigen". Dieses Schweigen über sexuelle Übergriffe in Hollywood wurde gebrochen und die #MeToo-Bewegung, eine der wichtigsten Bewegungen ihrer Generation, ins Leben gerufen.

Genre
Drama, Literaturadaption

Klassenstufe
ab 10. Klasse

Altersempfehlung
ab 16 Jahre

Unterrichtsfächer
Englisch, Politik, Sozialkunde, Ethik, Philosophie, Psychologie, fächerübergreifend: Erziehung zur sexuellen Selbstbestimmung

Themen
sexuelle Gewalt, Macht, Frauen, Zivilcourage, Mut, Werte, Demokratie, Medien, Meinungs- und Pressefreiheit, Recht und Gerechtigkeit, Verantwortung, Öffentlichkeit, Rechtsstaat, Justiz, Gesellschaft, USA


Wie im echten Leben
Emmanuel Carrère zeigt uns in seinem neuen Film „Wie im echten Leben“ die Abgründe der heutigen Arbeitswelt. Die bürgerlich abgesicherte und bekannte Schriftstellerin Marianne – gespielt von Juliette Binouche – recherchiert für ihr neues Buch, das die wenig beachtete Arbeiterschicht im Fokus hat. Undercover gibt sie sich in der nordfranzösischen Hafenstadt Caen im Jobcenter – ohne vorzeigenswerte Referenzen und Erfahrungen – als arbeitslose und geschiedene Frau aus. Prompt wird sie von der Behörde als „schwer vermittelbar“ eingestuft und findet sich im sogenannten Niedriglohnsektor als Putzfrau wieder. Für ihre investigative Recherche ist dies ein Glücksfall, treffen doch hier zwei eklatante Faktoren aufeinander: extrem harte Arbeit und wenig Aussicht auf faire Bezahlung. Die Freude darüber währt jedoch nur kurz, denn freie Meinungsäußerung ist in dieser Arbeitswelt nicht üblich, und kann Konsequenzen haben. Zudem belastet Mariannes wahre Identität die im Entstehen begriffene Freundschaft zu der alleinerziehenden Mutter Christèle und zu Marilou. Ihre Camouflage droht mehrmals aufzufliegen, und mit allen Tricks versucht Marianne, ihr komfortables Künstlerleben vor ihren Freundinnen zu verbergen. Doch irgendwann hat Marianne genug Material für ihr Buch zusammengetragen und es ist Zeit, ihr wahres Gesicht zu zeigen. Regisseur Carrère versammelt ein umwerfendes und humorvolles Schauspielerinnen-Ensemble, das Leid und Liebe einer echten „Arbeits-Gemeinschaft“ und aktuell brennend die tiefen Gräben in unserer Gesellschaft zeigt.

Originaltitel
Ouistreham
Genre
Drama
Klassenstufe
ab 10. Klasse
Altersempfehlung
ab 15 Jahre
Unterrichtsfächer
Politik, Ethik, Philosophie, Französisch, Wirtschaft, Sozialkunde
Themen
soziale Ungleichheit, Arbeit/Arbeitslosigkeit, Freundschaft, Rezession, Finanzkrise, Armut, Klassenkampf, sozialer Abstieg, Individuum (und Gesellschaft)


 

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